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Lee Friedlander

at work

HC 30x31 cm 96 p.
D.A.P. 2002

"Er entschied sich mit zwölf Jahren, Fotograf zu werden, das muss also 1946 gewesen sein. Lee Friedlander, in einer Holzhändlergemeinde im Westküstenstaat Washington geboren, landete mit Anfang zwanzig in New York City, schon vernetzt mit der Musikindustrie von Soul und Jazz, mit Nesuhi Ertegun, mit Time Life, wo er eine Bildredakteurin namens Maria aufgabelte, mit der er in die Suburbia zog, nördlich von New York, sobald er als Fotograf halbwegs durchgesetzt war. "Museen machen mich schwindelig, wie Supermärkte", sagt Friedlander jetzt, aber seine Reputation ruht auf dem Museum of Modern Art in New York, dessen damals junger Fotokurator John Szarkowski die exzeptionelle, freihändige, fein gestrickte Straßenfotografie in ihrer bescheidenen Widerborstigkeit erkannte und durchsetzte.
At Work ist eine umfassende Darstellung von Menschen an ihren Arbeitsplätzen, beginnend mit einer Museumskommission 1979, die Friedlander nach Ohio und Pennsylvania führte. Dort beobachtete er Arbeiter und Arbeiterinnen an komplizierten und schweren Maschinen beim Stanzen, Schweißen und Montieren. Er entdeckte, dass jeder Arbeitsplatz eine eigene Logik hat, die den Arbeiter monumentalisiert oder miniaturisiert, mönchisch abschließt oder als Kommunikator frei in den Raum stellt. Statt nun den Menschen gegen die Maschine herauszuarbeiten - als Humanum zu rehabilitieren, wie klassische Industrie- und wohlmeinende Arbeiterfotografen es immer getan haben -, erkannte Friedlander den Zusammenhang als unauflösbar. In seinen Fotografien gibt es nichts, was stört, weil ohnehin alles dazugehört: Die Rückwände und Träger, die Schläuche und Lichter, die optischen Hilfen, die Sitzgelegenheiten, übergehend in Handschuhe, Tätowierungen, Arme, Dauerwellen, Bluejeans, Augen und Münder. So wie man als Laie Maschine und Produkt nur mühsam unterscheiden kann, werden die Arbeiter selbst Teil eines durchkonstruierten Zusammenhangs, mal symbiotisch verschmolzen mit der Apparatur, dann wieder wie ein Fremdkörper dort hineingesetzt - Produkt aus einer anderen Fabrik.
Der zweite große Block der Arbeitsplätze wurde 1986 in Chippawa Falls im Staat Wisconsin bei der Computerfirma Cray aufgenommen. Der Leiter der Fabrik hatte Friedlander selbst bestellt, um eine Arbeit zu visualisieren, die vom Mikroskop über die Festplattenmontage bis zur Verknüpfung hunderter von Kabelverbindungen nach den Mühen des Sisyphos aussah. Im eigenen Auftrag erkundete Friedlander, wie Menschen aussehen, deren Arbeit nur noch auf dem Bildschirm des Computers stattfindet. Mit der Abstraktion der Arbeit, so erkennt man im Vergleich mit den Maschinenarbeitern, hat sich die Konzentration immaterialisiert. Stellt man den Bildschirm nicht dar, starren die Nutzer in einen haarsträubend undefinierten Raum. Das Hollywoodporträt der Entdecker, Hacker, Fahnder ist dagegen mindestens ein Euphemismus.
Die eigentümlichste Bildgruppe zeigt nahe Porträts von Figuren mit geschlossenen Augen, deren Köpfe eingespannt sind in Kopfhörer und Mikrophone. Man meint, zurückversetzt worden zu sein in die Studios der Musiker, die Lee Friedlander als junger Mann begleitet hat. Um so schockierender ist die Einsicht in den Umstand, dass es sich um Angestellte im Telemarketing handelt, Telefonhausierer, deren süßliche Mienen im Akt der Verstellung offenbar unvermeidlich sind, und die sich auf die Stimme des zu Kaschenden am anderen Ende der Leitung konzentrieren wie auf einen Liebhaber. Angestoßen vom Magazin der New York Times, hat Friedlander auf ergreifende Weise visualisiert, was man getrost als Entfremdung bezeichnen darf: die Verbiegung des Subjekts durch die Unerbittlichkeit der Warenwelt."
Ulf Erdmann Ziegler, Frankfurter Rundschau.

 

Andere Titel von Lee Friedlander:

The American Monument
Fourteen American Monuments
Viewing Olmstead
Lee Friedlander
Maria
The Little Screens
Flowers and Trees
Letters from the People
Self Portrait
Work from the same House
Nudes
The Jazz People from New Orleans
Cray at Chippewa Falls
Photographs
Factory Valleys
The Desert Seen
American Musicians
Kitaj
Kitaj
Staglieno
Stems
Family
Lee Friedlander
Lee Friedlander
Self Portrait
Sticks & Stones
Apples and Olives
Cherry Blossom Time In Japan
Parks & Trees

 

Ausstellungen von/mit Lee Friedlander

» Check: Lee Friedlander @ Photography-now.com

14.06. - 07.09.2008: Mind at Play , The Art Institute of Chicago, Chicago, USA
17.05. - 03.08.2008: American Monuments , CCP Center for Creative Photog, Tucson, USA
26.04. - : Cheminements - Le Paysage comme terrain de jeux , Centre de photographie de Lect, Lectoure, F
17.04. - 07.06.2008: The New York School , Michael Hoppen Gallery, London, GB
11.04. - 01.06.2008: Cherry Blossom Time in Japan , Rat Hole Gallery, Tôkyô, J

 



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